| |
Spannend, sensibel und mit viel Empathie für die Beteiligten
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Ford und Dan arbeiten beide im selben Krankenhaus, Ford als Assistenzarzt und Dan in der Verwaltung. Viele Monate beäugen Sie sich nur aus der Ferne, wobei der eine jeweils nicht weiß, dass der andere ihn bewundert. Bis sie sich eines Tages zufällig im Fahrstuhl treffen. Die Blicke Dans auf Fords muskulösen Körper sind eindeutig und so weiß Ford endlich, dass er mit seinen Gefühlen nicht alleine dasteht. Bis die beiden zusammenkommen, bedarf es dennoch vieler Umwege und der Überwindung von Ängsten und innerer Widerstände.
Der Roman beginnt, als das Paar Ford und Dan sich auf den Weg macht, um Dans Mutter über Weihnachten zu besuchen. In Rückblenden wird die Geschichte ihres komplizierten Kennenlernens und des nicht weniger problematischen Zusammenseins erzählt. Überschattet wird die Beziehung beispielsweise von Dans Krankheit und seiner schweren Kindheit. Er ist Bluter und außerdem HIV-positiv. Als Sohn eines brutalen Alkoholikers fällt es ihm schwer, Vertrauen zu fassen und er ist geradezu besessen davon, seine Selbständigkeit unter allen Umständen zu verteidigen. Auf der anderen Seite steht Ford, der muskulöse Sunnyboy, der aus reichem Elternhaus stammt. Die Familientradition und seine Eltern haben seinen Lebensweg schon längst vorherbestimmt. Eine Debütantin aus gutem und angemessenen Haus soll der Erbe des Hauses heiraten, selbstverständlich. Bis zuletzt verweigern sich Fords Eltern der Erkenntnis, dass ihr Sohn niemals heiraten wird, obwohl er ihnen gegenüber mehr als nur eine Andeutung macht, wie es um ihn steht. Erst, als Ford ihnen die Wahrheit über sich quasi aufzwingen muss, um sich ihnen verständlich zu machen, bricht die stahlhart aufrechterhaltene Illusion der Eltern zusammen. Aber sofort bauen sie einen neuen Schutz um sich herum auf, nämlich eiskalte Ablehnung verbunden mit unversöhnlichem Hass.
Im Gegensatz dazu arrangiert sich Dans Familie mit dem Freund des Sohnes. Dans Mutter, mittlerweile in zweiter Ehe glücklich verheiratet, entwickelt sogar so etwas wie Zuneigung zu Ford. Das Weihnachtsfest verläuft recht harmonisch. Der Frieden zwischen Dans Familie auf der einen Seite und dem Männerpaar auf der anderen Seite ist zwar stabil gezimmert, aber zwischen den Brettern gibt es Lücken, durch die kleine und größere Verletzungen immer wieder durchscheinen. Akzeptanz des schwulen Paares ja, aber nur unter Schmerzen geboren. Und für immer wird eine kleine Wunde zurückbleiben, die "Wie schön es doch wäre, wenn "
Am Ende wird sich zeigen, dass Dan und Ford Stabilität und grenzenlosen Rückhalt nur beieinander finden und es ist wunderbar, davon zu lesen, wie sie es nach allen Hindernissen schaffen, die liebevolle, harmonische Mitte ihrer Beziehung zu erreichen.
Jim Grimsley schildert in 'Das Leben zwischen den Sternen' spannend, sensibel und mit viel Empathie für alle Beteiligten, wie ein schwules Paar zusammenfindet und ES den Eltern, Geschwistern und Freunden beibringt.
(c) N. Banzi
Eine Rezension von Norma Banzi "Online-Magazin www.banzini.de" > Hamburg
vom 3. September 2006 |